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18. Juni 2018

Koderhold: Schmerzbehandlung bei Kindern ist eine Geschichte „traditioneller“ medizinischer Unterversorgung

SPÖ-Gesundheitsstadtrat Hacker ist jetzt gefordert, Maßnahmen zu setzen

Noch Anfang der  Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts war in  zahlreichen Lehrbüchern zu lesen, dass sehr kleine Kinder noch kein ausgebildetes Nervensystem hätten und weniger schmerzempfindlich wären als Erwachsene. 

„Mittlerweile weiß man, dass ein ungeborenes Kind schon ab der 22. Schwangerschaftswoche Schmerzen empfindet“, erklärt Dr. Günter Koderhold, Gemeinderats- und Landtagsabgeordneter der FPÖ-Wien. 

„Im Gegenteil: Durch die etwas spätere Entwicklung  schmerzhemmender Nervensignale kann man Neugeborene  und kleine Kinder  als besonders schmerzempfindlich einschätzen“, weiß Koderhold aus medizinischer Sicht zu berichten.

Durch die eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeit hat sich bei kleinen Kindern - aber auch behinderten und demenzkranken Patienten - im Vergleich zur normalen Bevölkerung über die Jahrzehnte eine deutliche Schmerzmittelunterversorgung etabliert.

„Durch die Protokollierung an Schmerzmitteln in Fieberkurven und Behandlungsplänen früherer Jahrzehnte kann man die deutlich niedrigere und seltenere Abgabe an Analgetika eindeutig nachweisen“, weist Koderhold auf die Beweisbarkeit dieser Schmerzmittelunterversorgung hin.

Natürlich haben sich die medizinischen Erkenntnisse der letzten 15 Jahre erheblich geändert und niemand wird bei operativen Eingriffen am Kind am Sinn einer adäquaten Narkose zweifeln - bei nicht perioperativen, vor allem aber bei chronischen Schmerzen werden jedoch Kinder nach wie vor nicht ernst genommen.

„Es ist typisch für unseren Zeitgeist: Bei der Abschlussveranstaltung eines gerade abgehaltenen Schmerzsymposions wurde lange über Schmerzen im Zusammenhang mit  Gendermedizin referiert“, erklärt Koderhold besorgt, „aber kein einziges Wort über Schmerztherapie bei Kindern.“

Die Bedeutung einer modernen Schmerzbehandlung hat bei Kindern aber enorme Auswirkungen.

„Zahlreiche Experten vermuten, dass die Angst vieler Erwachsener vor Spritzen, Blutabnahmen und Spitalsaufenthalten mit nachhaltigen Schmerzerfahrungen in der Kindheit zusammenhängt“, erklärt Koderhold. Dabei weist er auf die zukünftige persönliche Entwicklung hin: „Es darf nicht sein, dass eine ungenügende Schmerzbehandlung in der Kindheit zur späteren Verweigerung der Schulmedizin führt.“

Während es in Deutschland zahlreiche Kinderschmerzzentren gibt, ist Österreich im Vergleich zu Deutschland seit Jahrzehnten an moderner Schmerztherapie weniger interessiert. Weder im Studium noch in der späteren Ausbildung wird der Behandlung von Schmerzen im Kindesalter ein besonderer Stellenwert eingeräumt.

„Einer der Hauptredner des Schmerzsymposions bemerkte vor einer Woche, dass sich in den letzten dreißig Jahren wenig geändert habe“, erinnert sich Koderhold. Der „Wiener Medizinische Masterplan“ erwähnt Schmerztherapie nicht einmal. „Es gibt wohl ein Kompetenzzentrum für Enddarmerkrankungen, aber keines für chronische  Schmerzbehandlung“, bemerkt der freiheitliche Gemeinderat.

„Gerade Wien steht mit seinen Planungs- und Finanzierungsproblemen im Gesundheitsbereich vor erheblichen Herausforderungen.Der seit langem notwendige Ausbau von Schmerzzentren, vor allem im Bereich der Kinderschmerztherapie, darf nicht weiter ignoriert werden“, appelliert der Freiheitliche Gemeinderat Dr. Günter Koderhold an den neuen SPÖ-Gesundheitsstadtrat Hacker, endlich Veränderung herbeizuführen.


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